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Interview (Teil 1) mit Jürgen Vogler von Wolfsmonitor.de [siehe auch Teil 2 vom 16.10.2016]

WOLFSMONITOR: Herr Faß, auf Ihrer Webseite gibt es einen Bereich „Visionen und Standpunkte“. Sie erlauben sich dort, Vorschläge für ein tragfähiges Konzept des Zusammenlebens von Menschen und Wölfen in der heutigen deutschen Kulturlandschaft zu unterbreiten. Ein Vorschlag besagt, dass die Dichte an Nutztieren in einer Region darüber entscheiden sollte, ob dort Wölfe toleriert werden sollten. Wie meinen Sie das genau?

Lieber Herr Vogler, ich möchte einleitend mich an dieser Stelle zunächst da mal dafür bedanken, dass sie mich vor einer Woche besucht haben und wir uns satte 4 Stunden über unterschiedlichste Themen rund um den frei lebenden Wolf in Deutschland und anderswo unterhalten haben. Wir waren in unseren Ansichten, Ideen und Meinungen häufig deckungsgleich. In denjenigen wo wir es nicht waren, haben wir auf Augenhöhe diskutiert. Auch in diesen Situationen herrschte, von uns beiden ausgehend, Respekt und Wertschätzung für den anderen. Das habe ich sehr genossen und freue mich schon heute auf das nächste Wiedersehen mit Ihnen!

Ferner bedanke ich mich, dass sie mir mit diesen drei Fragen die Möglichkeit geben ungekürzt und ausführlich meinen heutigen Standpunkt darzustellen. Es liegt in der Natur der Dinge, dass Berichterstattungen häufig nicht in voller Länge wiedergegeben werden oder sie teilweise vom Interviewer leicht verfälscht wiedergegeben werden, weil er selbst sich nicht im Detail mit der Wolfsthematik beschäftigt. Gerade neulich habe ich in einem Interview gesagt, dass in einem Wolfsterritorium, welches angenommener Weise 300 km² Fläche umfasst, parallel an die ca. 40-80 Jäger in verschiedenen Jagdbezirken neben dem Wolf oder Wolfsrudel jagen gehen. Im veröffentlichten Bericht stand dann „40-80 Jagden“. Das wären dann nach meinen Annahmen schon 120-240 Jäger. Ein kleiner Unterschied in der Wortwahl mit großer Interpretationsmöglichkeit, falsch verstanden zu werden. Aber so ist es eben. Denn sich gar nicht zum Wolf zu äußern hielte ich auch für verkehrt. Insofern bleibt mir nur, auch Geschimpfe und Geläster zu tragen.

Bevor ich auf die Beantwortung ihrer ersten Frage eingehe möchte ich gerne Ihren Lesern aufzeigen, wie ich das Wolfsthema grundsätzlich sehe.

Ich habe früh versucht, Entwicklungen strategisch weiter zu denken und erlaube mir, in dem Bereich „Visionen und Standpunkte“ auf unserer Wolfcenter-Webseite diese Gedanken und Lösungsvorschläge zu veröffentlichen. Als solche sind sie eben auch gemeint, auch wenn die aktuelle Rechtslage um den Wolf einige dieser Gedanken gar nicht zulassen können. Dennoch bin ich von meinem Naturell her ein Mensch, der sich auch vorausschauend fragt, was in 10, 20 oder 25 Jahren sein könnte, auch wenn hierzu Spekulationen und Annahmen eingebunden sind. Wer weiß schon wie die Rechtslage dann sein wird.

Lange habe ich tatsächlich überlegt, ob wir überhaupt eine solche Rubrik bei uns auf der Homepage zeigen sollten, für jedermann einsehbar. Meiner Meinung nach sollte ein jeder Mitmensch, der sich für das Vorhandensein und die weitere Ausbreitung von frei lebenden Wölfen in Deutschland einsetzt, auch zeigen was er ganz konkret denkt, glaubt, für möglich oder unmöglich hält. Und dies eben nicht nur oberflächlich, so dass es sich nach außen hin toll anhört, und jeder gleich zustimmend „Hurra!“ ruft, so wie es teilweise im Internet festzustellen ist – Rechthaberei um jeden Preis. Auch heute bin ich immer noch unverändert mit Begeisterung der Auffassung, dass das Zusammenleben mit Wölfen in Deutschland funktioniert – allerdings geht es nicht darum, was ein einzelner denkt, sondern darum, was die Gesellschaft heute, mittelfristig und langfristig will oder auch nicht. Mittel- und langfristig meint in meinem Verständnis in den nächsten 10 bis 20 vielleicht sogar 25 Jahren.

Dieser Wille wird sich je nach Gewichtigkeit und Abstimmungsverhältnissen in unserer Demokratie letztlich durch gewählte Politiker als Gesetzesgeber im gültigen Rechtsrahmen widerspiegeln. Soviel in aller Kürze dazu, wie unser Staat funktioniert.

Vor diesem Hintergrund erlaube ich mir, nicht zuletzt auch aufgrund meiner generellen Sichtweise zum Leben, bei der ich mir stets von Best Case bis Worst Case alle Szenarien anschaue (also nicht nur Schwarz-Weiß-Denke), „abzuwägen“, was eines Tages sein könnte. Wenn sich am Horizont mögliche Potenziale aufzeigen, die absehbar zu Streitereien (ganz gleich welcher Couleur) führen könnten, bin ich nicht zuletzt auch aufgrund meines früheren Berufes immer dafür, für solche Fälle nach Lösungen zu suchen und auch Themen anzusprechen, die nicht gerade für Freude sorgen. Sollten die zuvor genannten Potenziale nicht zur Realität werden, also in Erscheinung treten, ist es ja umso besser. Lehrreich wird es dann alle Mal gewesen sein. Zu dieser meiner Herangehensweise zählt auch, dass es mir immer wichtig ist, mit allen Beteiligten mögliche Konflikte, Lösungen, Strategien etc. zu diskutieren. Hinsichtlich des Wolfes zählen zu diesen Beteiligten neben der allgemeinen Bevölkerung, auch Behörden, Politiker verschiedenster Parteien, unterschiedliche Organisationen, wie zum Beispiel die Tierhalter, die Jägerschaft und andere Naturschutzverbände, Tierschutzverbände und viele mehr. Mit Sorge beobachte ich seit geraumer Zeit, dass es Mitmenschen gibt, die im Internet mit erheblicher Geringschätzung eigene Meinungen niederschreiben, um möglichst wiederum viele Mitmenschen damit zu erreichen – sei es, dass man um jeden Preis für den Wolf oder gegen ihn ist. Diesen Stil teile ich nicht. Ich denke, dass diese Mitmenschen besagte Strategie an den Tag legen, nur weil meine Überlegungen nicht in deren eigenes Weltbild passen. Wir sind eines der reichsten Länder dieser Erde und eine kluge Nation. Wir sollten es uns leisten können zu diskutieren, abzuwägen, auch auf Augenhöhe zu streiten, um letztlich einen politischen Kompromiss zu erzielen – denn darauf wird es immer hinauslaufen und nicht nur darauf ob etwas rein logisch Sinn macht oder nicht. So tickt die Welt. In, wie ich hoffe, sehr kleinen Gruppen der Internetgemeinschaft gewinne ich teilweise den Eindruck, dass ein Wolfskrieg erklärt wurde – sei es pro oder contra Wolf. Hoffentlich täusche ich mich….

Mit dem Wolfcenter selbst leisten wir ja bereits einen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit über Wölfe in Deutschland. Unsere ergänzenden Informationen auf unserer Webseite sollten darüber hinaus möglichst als das begriffen werden, was sie sein sollen: Diskussions- bzw. Lösungsvorschläge.

Ich beschäftige mich mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zurzeit besonders umfassend mit Herdenschutzfragen. Denn bei allem Interesse am Wolf denke ich, dass wir ihn langfristig am erfolgreichsten integrieren können, wenn der Herdenschutz bei den Nutztierhaltern funktioniert. Wir schreiben sogar gerade im Wolfcenter an einem Buch darüber.

In Bezug auf mögliche zu definierende Regionen in Deutschland, in denen Wölfe aufgrund der höheren Nutztierdichte bzw. Haltungsform als problematisch in ihrem Vorhandensein angesehen werden könnten, sehe ich es am Beispiel des nordwestlichen Niedersachsens wie folgt; übrigens als einzige Region in Niedersachsen, weil wir dort eine sehr hohe Milchviehdichte haben! Ein bekanntes mathematisches Modell hat vor einigen Jahren, entsprechend getroffener Rahmenbedingungen, errechnet, dass in gesamt Nordwestniedersachsen keine Wolfsrudel zu erwarten sind. Dieses dürfte einen Nutztierhalter zunächst freudig stimmen, weil er sich logischerweise in Folge dessen über den Herdenschutz keine Gedanken machen muss. Der heutige Ist-Zustand zeigt jedoch, dass sich sehr wohl ein erstes Rudel im besagten Gebiet etabliert hat – das Wolfsrudel im Raum Cuxhaven. Natürlich will ich an dieser Stelle keine „Klugscheißerei“ betreiben, denn als Ingenieur weiß ich sehr genau, dass mathematische Modelle nur so gut rechnen können, wie sie mit Rahmenbedingungen konstruiert wurden. Also gilt es, nicht emotional aufzutreten, weil Wölfe irgendwo auftauchen wo sie nicht voraus berechnet wurden. Parallel dazu frage ich mich mit hohem Interesse, ob es überhaupt – und wenn ja wann – weitere territoriale Einzeltiere, die später von Paarungspartnern gefunden werden und somit weitere Rudel etablieren, geben wird, abweichend von den Simulationsergebnissen. Angenommen die Wolfsfähen im Emsland und im Bereich der Landkreise Diepholz und Vechta würden jeweils von einem umherwandernden Wolfsrüden als Paarungspartner gefunden werden, hätten wir zwei weitere Rudel die nicht voraus berechnet wurden. Die für mich einfache Frage ist, ob die künftige Ausbreitung von Wölfen bzw. Rudeletablierung im nordwestlichen Niedersachsen entsprechend des mathematischen Modells bleiben wird oder nicht.

Immer wieder diskutieren wir Kälberrisse von Mutterkuhherden in Wolfsgebieten. Wir müssen erkennen dass es Kuhkälberrisse gegeben hat und auch weiterhin geben wird – auch wenn diese deutlich seltener auftreten als Übergriffe auf Schafe. Mit Blick auf die zuvor skizzierten nordwestlichen Landkreise Niedersachsens müssen wir jedoch erkennen, dass es nicht die Mutterkuhhaltung ist, die dort überwiegt, sondern die Milchkuhhaltung. Insbesondere diese hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine enorme Wandlung vollzogen. So gibt es heute ein großes Spektrum an Stallgrößen, die von wenigen Dutzend Milchkühen (wie früher) bis hin zu über 1000 Stück (heute) in großen Stallanlagen reichen. Ich halte es für Panikmache herum zu erzählen, dass diese Kühe nun alle ausnahmslos in Gefahr sind! Das sehe ich so nicht. Gleichwohl mussten wir im Landkreis Cuxhaven wiederholt feststellen, dass neun bzw. zehn Monate alte Färsen (junge weibliche Kühe, die bisher kein eigenes Kalb hatten) von Wölfen gerissen wurden – kleine Kälber sind das nicht mehr. Es war dort nur richtig, Herdenschutzmaßnahmen in Form von Zaunaufwertung an der besagten Weide vorzunehmen. Bewegen wir uns in der nordwestlichen niedersächsischen Landschaft stellen wir fest, dass viele Jungtiere der Kategorie Milchkühe auf den Weiden stehen und eben nicht mehr so viele ausgewachsene Tiere, die sie möglicherweise beschützen könnten. An dieser Stelle sei nebenbei gefragt, ob „Schwarzbunte“ noch die Wehrhaftigkeit, wie wir sie von verschiedenen anderen Mutterkuhrassen kennen, aufweisen. An dieser Stelle frage ich mich ebenfalls, ob es realistisch und finanzierbar ist, sämtliche Kuhweiden im Nordwesten einzuzäunen, wenn sich in Zukunft doch mehrere Wolfsrudel dort etablieren sollten. Eine weitere Frage ist jedoch auch, ob es überhaupt vielerorts zu steten Übergriffen auf junge Milchkühe kommen wird. Ich bin kein Hellseher und auch kein Schwarzmaler, schaue mir jedoch das zuvor beschriebene Szenario derart an, sodass ich mich frage, wie „im Falle eines Falles“ eine Lösung aussehen könnte. Soll man die Rinderhalter sich selbst überlassen? Wird die aktuelle Richtlinie Wolf auch dann noch angemessen sein? Somit kam ich zur Idee, die im gesamtniedersächsischen Vergleich kleine nordwestliche Region, derart zu definieren, dass man das Einwandern weiterer einzelner Wölfe nicht zulässt. Ich betone an dieser Stelle, dass ich hier nur auf Rinder eingegangen bin, obwohl es selbstverständlich auch andere Nutztiere dort gibt.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass die oben vorgestellte Idee in der Realität schon allein deshalb sehr wahrscheinlich scheitern würde, weil man den Nutztierhaltern außerhalb dieser Region nicht klarmachen kann, dass sie Herdenschutz betreiben müssen, während eine andere Region von Wölfen frei gehalten werden. Es wäre also – neben allen Managementproblemen – meiner Einschätzung nach auch ein Gerechtigkeitsproblem zu lösen. Ich weiß auch, dass der aktuelle strenge Schutzstatus (FFH-Richtlinie, Anhang 2 und 4) diese Idee heute nicht Realität werden lassen kann.

Wie gesagt, ich bin kein Hellseher und kenne auch niemanden, der das ist. Letztlich werden wir nur weiter beobachten können, was die Wölfe machen oder auch nicht machen. Diese Aussage wird die Tierhalter allerdings nicht zufrieden stellen. Es wundert mich daher nicht, dass einzelne Petitionen zur Begrenzung der aktuellen Wolfsmenge ins Leben gerufen werden. Gleichwohl halte ich davon nichts, denn eine Lösung sehe ich nicht in der Begrenzung der Wolfsmenge abseits des günstigen Erhaltungszustandes. Dennoch sollten wir immer wieder Gespräche suchen, um gemeinsam Lösungen zu finden – auch wenn es anstrengend sein könnte. Der oben angesprochene scheinbar tobende „Wolfskrieg“ bindet Energien, die viel besser für eine Lösungsfindung mit größtmöglichem Übereinkommen aller Beteiligter verwendet werden sollte. So sehe ich es jedenfalls.

WOLFSMONITOR: Auf Ihrer Webseite ist auch zu lesen, dass sie hinsichtlich der Diskussion „Pro und Kontra Wolfsbejagung“ glauben, dass diese ohnehin eines Tages in Deutschland durchgesetzt wird. Man kann deshalb schnell daraus schließen, dass SIE das unterstützen? Ist das so?

Auch dort erlaube ich mir, die Dinge ohne Denkverbote in die Zukunft zu prognostizieren (Details sind auf unserer Website unter „Die Wolfsjagd – ein Muss?“ einzusehen). Und nein, ich unterstütze das persönlich nicht, glaube aber, dass es irgendwann einmal politischer Wille sein wird. Dass es also tatsächlich so kommen könnte. Allerdings erst in zeitlich weiter Ferne.

Doch schauen wir uns zunächst die Ausgangslage an. Wie schon so eben benannt, ist der Wolf über die FFH-Richtlinie, Anhang 2 und 4, strengstens geschützt. Auf nationaler Ebene ist er entsprechend des bundesdeutschen Artenschutzrechtes ebenso streng geschützt. Wenn der Wolf bejagt werden soll, müsste er demzufolge aus dem Artenschutzrecht in das Jagdrecht überführt werden. Diesen Schritt lässt jedoch das Europarecht heute nicht zu. Das ist auch richtig so, denn solange der günstige Erhaltungszustand mit einem Sicherheitsfaktor X nicht vorhanden ist, darf ein Eingriff in die Bestandsmenge der Wölfe durch den Menschen nicht erfolgen, um das Erreichen des günstigen Erhaltungszustandes nicht zu gefährden. Wenn der günstige Erhaltungszustand zuzüglich Sicherheitsfaktor X eines Tages erreicht ist, kann über die Bejagung von Wölfen im Grundsatz konkreter nachgedacht werden. Die ganz große Frage wird jedoch dabei sein, welcher „vernünftige Grund“ für die Wolfsjagd vorliegen soll. Dieser vernünftige Grund wird, so denke ich, in Zukunft in der Gestaltung von Jagdgesetzen immer mehr an Bedeutung finden. Ferner wird für die Verabschiedung von entsprechenden Gesetzgebungen eine politische Mehrheit im Vorfeld festzustellen sein müssen. Schauen wir uns diese beiden Aspekte an, halte ich für die langfristige Zukunft eine politische Mehrheit „pro Wolfsjagd“ für möglich. Wie die Definition eines vernünftigen Grundes aussehen soll weiß ich nicht. Ich betone nur an dieser Stelle erneut, so wie ich es auch in allen meinen Vorträgen und auf unsere Website tue, dass die Bejagung des Wolfes keine (!) Herdenschutzmaßnahme darstellen wird. Worüber ich jedoch heute schon laut nachdenke, ist die Frage, wie denn eine Wolfsjagd überhaupt von statten gehen sollte. Dabei können viele, viele Fehler gemacht werden, die der Jägerschaft nur weitere Ablehnung im gesellschaftlichen Ansehen einbringen kann, sofern diese Fehler und Probleme auftreten. Diese habe ich detailliert mit entsprechenden Fragestellungen ausführlich dargestellt.

Mein Fazit: wenn es eines Tages aufgrund des gesellschaftlichen Willens einer Politik, einer politischen Mehrheit und entsprechender Gesetzgebungen zur Wolfsjagd kommen sollte, wird das von all denen, die keine Wolfsjagd wollen zu respektieren sein – auch von mir. Ich sorge mich darum, dass die Bejagungsmaßnahme an sich „in die Hose gehen wird“. Ich finde es daher überhaupt nicht verwerflich über dieses Thema zu sprechen im pro und contra. Jetzt mag man sagen, wenn doch die Wolfsjagd unlogisch ist, wird sie sich nicht durchsetzen. Mein gesamtes Berufsleben jedoch zeigt mir, dass es leider nicht immer nur nach Logik geht.

Was ich seit einiger Zeit mit Interesse beobachte ist die Tatsache, dass es Menschen gibt, die glauben, dass ich die Wolfsjagd unbedingt will. Wie gesagt, dem ist nicht so. Ich versperre mich jedoch auch einer solchen Betrachtung nicht. Spannend an den Streitgesprächen hinsichtlich der Wolfsjagd finde ich, wie einige Leute förmlich ausrasten, wenn sie nur hören, dass der Wolf eventuell in Zukunft gejagt werden könnte. Nun das mag ihr gutes Recht sein, doch ich frage mich, wozu sie in Wirklichkeit ausrasten. Was ist das echte Motiv? Und ich frage mich, wozu sie sich nicht mit gleicher Leidenschaft auch für den Fuchs einsetzen…

Dass ich das so hier schreibe, mag dem einem gefallen und dem anderen nicht. Doch darum geht es nicht wirklich. Es geht nur darum, was der gesellschaftliche Wille kurzfristig, mittelfristig und langfristig sein wird. Darauf habe ich persönlich keinen Einfluss und bin daher selber Beobachter des Geschehens.

Ich empfinde es als bereichernd, dass Sie, Herr Vogler, sich ebenfalls Gedanken über ein solches Szenario machen und dass sie für eine Diskussion darüber zur Verfügung stehen.

WOLFSMONITOR: Ja, gewiss. Allerdings komme ich hier und da zu einem etwas anderen Ergebnis als Sie. In der neuen Broschüre „Wolfs-Wissen kompakt“ der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. (GzSdW) wird meines Erachtens sehr anschaulich dargestellt, warum es weder eine ökonomische noch eine ökologische Notwendigkeit gibt, Wölfe zu bejagen. Teilen Sie die Einschätzung der GzSdW?

Ich teile weitestgehend die Einschätzung der GzSdW in ihren Grundsätzen, glaube allerdings hier und heute, wie schon zuvor beschrieben, dass es irgendwann einmal gesellschaftlicher und auch politischer Wille sein wird, die Wolfsbestände zu „regulieren“ oder auch zu „kontrollieren“. Es bleibt demnach also spannend, welche Entwicklung tatsächlich eintreten wird!

Pressemitteilung: Wolf „MT6“ ist tot – eine Entscheidung, die die Humanität berührt

Wolf MT6 ist tot. In den vergangenen Wochen und Monaten hat dieser zweijährige Wolfsrüde in Niedersachsen einiges von sich Reden gemacht. Es hat verschiedene Nahkontakte seinerseits zum Menschen gegeben. Teilweise wurden dabei die Menschen von Hunden begleitet; teilweise auch nicht. Er wurde im Sommer 2015 nach einer erfolgreichen Fangaktion mit einem GPS-Sendehalsband ausgestattet, wieder laufen gelassen und MT6 genannt. Ziel war es, sein Bewegungsprofil herauszufinden und wenn möglich, Rückschlüsse auf potentielle Nahkontakte zu ziehen. Es wurde immer wieder durch das Umweltministerium betont, dass die Sicherheit des Menschen an erster Stelle im Umgang mit freilebenden Wölfen steht. Nach den ersten Nahbegegnungen zwischen MT6 und einigen Mitmenschen wurde um die Heilige Kuh des Artenschutzes – den wildlebenden Wolf – diskutiert und teilweise gestritten, wie denn nun mit ihm zu verfahren sei – erst Recht in den Social Media des Internet. Die Entscheidung fiel zunächst auf umzusetzende Vergrämungsmaßnahmen in Bezug auf den Wolfsrüden. Wurden diese zunächst als erfolgreich umgesetzt eingestuft, musste vor kurzem festgestellt werden, dass MT6 erneut mehrfach seine unerwünschten Verhaltensweisen in Form von Nahbegegnungen zum Menschen (und seinen mitgeführten Hunden) gezeigt hat.

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Andreas Winkelmann: Lesung „Der Schlot“ am 29.04.2017

„Hilf mir … der Hinkende“. Das sind die letzten Worte der jungen Kommissarin Manuela Sperling am Telefon.
An dem Tag, an dem Henry Conroy aus dem Urlaub zurückkehrt, verschwindet seine neue Partnerin spurlos. Wie es scheint, hat sie in seiner Abwesenheit unerlaubt Ermittlungen im äußerst brutalen, gut organisierten Bereich des Menschenhandels angestellt und dabei ein Phantom aufgeschreckt, das hinter vorgehaltener Hand „Der Hinkende“ genannt wird. Niemand hat ihn je gesehen, alle fürchten sie vor ihm und er scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Henry beginnt einen verzweifelten Wettlauf um das Leben von Manuela Sperling und muss feststellen, dass er seinem Gegner nicht gewachsen ist. Zeitgleich gelingt Elizaveta Radu und Nada Despotovich die Flucht vor ihren Peinigern. Die Menschenhändler setzen alles daran, sie mundtot zu machen, denn beide wissen, wozu der Schlot in der alten Ziegelei genutzt wird.

Andreas Winkelmann liest aus seinem 11. Thriller „Der Schlot“. Die Lesung findet draußen in unserem überdachten Trapper-Fort statt. Die Lesung kostet 16 Euro pro Person inkl. einer Bratwurst (bzw. einer vegetarischen Alternative) und einem Kaltgetränk. Zusätzliche Speisen und Getränke können ebenfalls erworben werden. Einlaß ist ab 19 Uhr. Jede Buchungsbestätigung nimmt am Abend an einer Verlosung teil – es winken drei tolle Preise!

Untersuchungsbericht zur „Goldenstedter Wölfin“ als Download

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie haben an dieser Stelle die Möglichkeit sich den Untersuchungsbericht zur „Goldenstedter Wölfin“ als PDF-Datei herunter zu laden.

Klicken Sie dazu bitte auf den Link:
PDF_2016_02_08_Bericht_Analyse_NTR__LK_DH_VEC_OL__Nov2014_bis_Jan2016.

Zum Hintergrund:

Am 02.11.2014 wurde erstmals im Gebiet der Landkreise Diepholz, Vechta und Oldenburg ein Übergriff auf Nutztiere festgestellt. Dieses geschah im Umfeld der Ortschaft Barnstorf im Landkreis Diepholz. Von den fünf betroffenen Schafen wurden dreiSchafe direkt vom Verursacher getötet, wobei nur ein Schaf angefressen wurde. Zwei angegriffene Schafe überlebten den Übergriff und gesundeten wieder. Die amtliche Feststellung des NLWKN ergab auf Basis der durch den örtlichen Wolfsberater angefertigten Rissdokumentation als Verursacher einen Wolf.

Dieser Wolfsübergriff war der Auftakt einer Reihe von Übergriffen auf Nutztiere unterschiedlicher Arten, zu denen Schafe, Rinderkälber und Gehegedamwild in den drei benachbarten Landkreisen Diepholz, Vechta und Oldenburg zählten. Die amtliche Feststellung ergab neben anderen Verursachern (z.B. Hund, Fuchs, …) auch immer wieder den Wolf. Im Rahmen des niedersächsischen Wolfsmonitorings, unter der Leitung der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V., wurde im Sommer 2015 eine Wolfsfähe (weiblicher Wolf)als resident lebend (also ein Territorium beanspruchend) in der Region der Landkreise Diepholz und Vechta eingestuft. Mit der Zunahme der Übergriffe und der damit einhergehenden steigenden Anzahl betroffener Nutztieren wurde der Unmut der Nutztierhalter auf die immer mehr als Verursacherin vermutete Wolfsfähe größer, die mittlerweile „Goldenstedter Wölfin“ oder auch „Barnstorfer Wölfin“ genannt wird.

Dieser Bericht hat das Ziel, eine Transparenz in die festgestellten Übergriffe auf Nutztiere in diesem Gebiet für den Zeitraum vom November 2014 bis Januar 2016 zu bringen und auch eine Grundlage für eine Konfliktlösung im Rahmen des Wolfsmanagements zu sein. Dabei wird analysiert, in welchen Fällen Wölfe als Verursacher von Nutztierrissen festgestellt wurden und welche Rolle dabei die sogenannte „Goldenstedter Wölfin“ spielt. Auch wird bewertet, in welchen Fällen der Wolf als Verursacher ausgeschlossen wurde und welche anderen Tierarten (z. B. Hund, Fuchs) als Verursacher ermittelt wurden. In den Fällen, in denen der Wolf als Verursacher amtlich festgestellt wurde, wird auch betrachtet, welche Herdenschutzmaßnahmen ergriffen wurden und ob sie ganz, teilweise oder gar nicht den Anforderungen der niedersächsischen Richtlinie Wolf entsprochen haben.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich eine Arbeitsgruppe von Wolfsberatern aus den Landkreisen Diepholz, Vechta und Oldenburg, einem Journalisten aus dem Landkreis Vechta und Frank Fass vom WOLFCENTER Dörverden gegründet.

Erster 12-tägiger Workshop Wolf erfolgreich beendet

12 Tage Workshop rund um den Wolf klingt nach viel und ist auch viel! Und doch ist es eine sehr gute Möglichkeit die Komplexität des freilebenden und streng geschützten Wolfes in Deutschland von A bis Z kennenzulernen. Wir freuen uns und sind dankbar dafür, dass uns 17 interessierte Workshopteilnehmer aus ganz Deutschland sechs Tage lang im WOLFCENTER Dörverden besucht haben und uns für weitere sechs Tage in die wunderschöne Winterlandschaft der Niederen und Hohen Tatra in die Slowakei gefolgt sind. Neben den vielen theoretischen Inhalten hat auch die Praxis großen Anteil am Workshop gehabt. Wir haben wunderbare Menschen kennengelernt!

Wenn Sie auch an unserem 12-tägigen Workshop rund um den Wolf interessiert sind, finden Sie hier mehr Informationen dazu: Workshop Wolf, 12-tägig

Menschen in Gefahr?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wir nutzen an dieser Stelle die Gelegenheit, Sie auf einen neuen Menüpunkt auf dieser Homepage hinzuweisen, der Fakten bezüglich derjenigen analysierten Fälle, in denen Wölfe für Menschen gefährlich geworden sind, darzustellen. Der Menüpunkt heißt „Menschen in Gefahr?“

Hier gelangen Sie zu diesem neuen Menüpunkt: Menschen in Gefahr

Portraitfoto Frank Fass Wolfcenter Dörverden

Statement von Frank Fass zur „Goldenstedter Wölfin“

Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit lege ich meine Sichtweise zur sogenannten Goldenstedter Wölfin dar.
In den vergangenen Monaten des Jahres 2015 kam es immer wieder zu Tötungen und Verletzungen mit teilweise anschließend erforderlicher Einschläferung (Euthanasie) von vielen Schafen durch einen Wolf. Teilweise war und ist auch Gehegedamwild davon betroffen. Die geographische Fläche auf der diese Nutztierrisse festgestellt wurden, erstreckt sich im Bereich der beiden aneinander grenzenden Landkreise Diepholz und Vechta. In diesem Gebiet lebt ein weiblicher Wolf, also eine so genannte Wolfsfähe, die als fachbegrifflich ortstreu, resident bzw. territorial lebend eingestuft wurde. Diese Einstufung geschah in Anlehnung an das niedersächsische Wolfsmonitoring. Allein vor dem Hintergrund dieser Kenntnis, ist es von höchster Bedeutung, dass wir alle Schafhalter – ganz gleich ob Hobbyhalter oder Schäfer im Neben- bzw. Haupterwerb – dafür gewinnen, dass sie alle den sogenannten wolfsabweisenden Grundschutz auf ihren Flächen errichten, wo die Schafe gehalten werden, um sie nicht weiter dem Wolf zugängig zu machen. Letztlich gilt das für alle Schafhalter in Niedersachsen. Dazu zwingen kann die Tierhalter jedoch niemand. Unter der Errichtung vom wolfsabweisenden Grundschutz sind verschiedene Möglichkeiten zu verstehen: Mindestanforderungen an den Zaunbau (mobiler Zaun, fest installierter Zaun, Zaunhöhe, elektrische Anforderungen, etc.), Herdenschutzhunde, Herdenschutzesel oder teilweise Aufstallungen. Der wolfsabweisende Grundschutz ist dabei nicht mit dem Begriff der Hütesicherheit zu verwechseln, zu dessen Errichtung Tierhalter verpflichtet sind. Hütesichere Zäune sind solche Bauten, die die Tiere daran hindern die eingezäunten Fläche zu verlassen, damit sie beispielsweise nicht auf die Straße laufen und wiederum Verkehrsunfälle verursachen. Hütesichere Zäune sind in der norddeutschen Praxis in Form von Elektronetzen, Elektrolitzen, Elektroglattdrähten, Stacheldrähten, Gräben, etc. vorzufinden. Hütesichere Zäune stellen oft noch lange keinen wolfsabweisenden Grundschutz dar, während ein wolfsabweichender Grundschutz stets auch die geforderte Hütesicherheit erbringt.

Neuer Radrundweg zum Thema „Die Rückkehr der Wölfe“ 

Neuer Radrundweg zum Thema „Die Rückkehr der Wölfe“ 

Gemeinschaftsprojekt von Tourismusorganisationen, WOLFCENTER Dörverden, Landesjägerschaft und sechs Kommunen

Nienburg/Schwarmstedt. Die Tourismusorganisationen Mittelweser-Touristik GmbH und Tourismusregion Aller-Leine-Tal haben in Zusammenarbeit mit den Samtgemeinden Ahlden, Grafschaft Hoya, Heemsen, Rethem, Steimbke und der Gemeinde Dörverden einen neuen Radrundweg erarbeitet. Kooperationspartner sind das WOLFCENTER Dörverden, die Landesjägerschaft Niedersachsen und Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), die bei der Planung der Streckenführung mitgearbeitet haben. Das WOLFCENTER Dörverden war federführend bei den Inhalten der Informationstafeln. Gekennzeichnet ist die Route mit einem Logo-Einschieber auf dem ein Wolfskopf dargestellt ist. Dieser ist unter den Zielwegweisern der Radwegebeschilderung eingehängt. Die offizielle Eröffnung wird am Sonntag, 17. April 2016 im Rethemer Burghof stattfinden. „Die rund 90 Kilometer lange Fahrradtour „Wolfstour“ mit ihren Informationstafeln möchte das aktuelle Thema „Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland“ sachlich beleuchten“, sagt Martin Fahrland, Geschäftsführer der Mittelweser-Touristik GmbH. Sie führt vom WOLFCENTER Dörverden durch größere Wald-, Moor- und Heidegebiete sowie ausgedehnte Grünlandbereiche rund um das Lichtenmoor, dem ehemaligen Jagdgebiet des „Würgers vom Lichtenmoor“, zum Wolfstein in der Schotenheide bei Ahlden (Aller), wo der „Würger“ im Jahr 1948 erlegt wurde. Hierbei handelte es sich um einen großen Wolfsrüden. Das Jagdrevier, das dem „Würger“ zugeordnet wurde, war ein rund 30 Quadratkilometer großes Gebiet in den Landkreisen Neustadt, Heidekreis und Nienburg/Weser mit Zentrum im kaum besiedelten Lichtenmoor. „Anhand von sieben verschiedenen Informationstafeln werden Themen wie „Warum wurden Wölfe bejagt?“, „Die Rückkehr der Wölfe“, „Was fressen Wölfe?“, „Der Unterschied Hund – Wolf“, „Wolfsbiologie“ oder „Wolf und Mensch – was tun bei einer Begegnung?“ behandelt“, sagt Janika Eckhardt vom WOLFCENTER Dörverden. „Die Wolfstour ist vom Informationsgehalt der Tafeln bis zur Topographie der Strecke für Jung und Alt ausgelegt“, ergänzt Alexander Bleifuß vom Zweckverband Aller-Leine-Tal abschließend. Weitere Informationen gibt es bei den Tourismusorganisationen Mittelweser-Touristik GmbH, Tel. (05021) 91763-0, www.mittelweser-tourismus.de und Tourismusregion Aller-Leine-Tal, Tel. (05071) 8688, www.aller-leine-tal.de