Umgang auffällige Wölfe

Umgang auffällige Wölfe

Umgang mit auffälligen Wölfen

Wenn es brenzlich wird...

Bevor im Folgenden über den Umgang mit auffälligen Wölfen die Rede sein soll, stellt sich zunächst die Frage, was eigentlich ein auffälliger Wolf ist und was ihn dazu macht. Die Beantwortung dieser Frage ist vielschichtig und nicht einfach “mal eben so” zu beantworten.

Jeder Wolf der als auffällig diskutiert und als solches eingestuft werden soll, muss dabei individuell in seinem Verhalten beurteilt werden. Äußerungen, wie z.B. “Nun zeigt sich ja anhand dieses Wolfes was da künftig mit den Wölfen auf uns zu kommt!” sind nicht zielführend und sollen scheinbar nur Emotionen erhitzen. Es muss die oberste Regel bleiben, das Verhalten des Wolfes nüchtern und mit klarem Augenmaß zu beurteilen und entsprechende Managementmaßnahmen einzuleiten. Bei allen Betrachtungen muss die Sicherheit des Menschen immer an erster Stelle stehen.

Im Rahmen der Managementmaßnahmen sollte es erlaubt sein sämtliche Aktionen zu diskutieren, die für die Modifikation des auffälligen Verhaltens erforderlich sind (z.B. Vergrämung, etc.) oder die Entfernung des Tieres aus der freien Wildbahn.

Was ist nun ein auffälliger Wolf?

Erstellung eines Protokolls/Falldatei

Entfernung von Auslösern, die das unerwünschte Wolfsverhalten provozieren

Vergrämung des Wolfes

Vorgehensweise zur Vergrämung

Entfernung/Entnahme des Wolfes aus der Natur

Kombination von Methoden

Behördliche Genehmigung, fachkundiges ausführendes Personal und enge Kommunikation ist ein Muss

Ein Blick in die Zukunft

Handlungsempfehlungen

Das oben angeführte BFN-Skripten 476 weist unter anderem drei Tabellen aus, die Handlungsempfehlungen benennen in Bezug auf unterschiedliche Situationen im Umgang mit auffälligen Wölfen. Diese Tabellen sind im Folgenden dargestellt:

Tab. 1: Einschätzung verschiedener Verhaltensweisen von Wölfen in Bezug auf Schäden an Nutztieren und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen.

Verhalten mögliche Ursache Einschätzung Handlungsempfehlung
Wolf tötet ungeschützte oder nicht ausreichend geschützte Nutztiere. Wölfe unterscheiden nicht zwischen erlaubten und unerlaubten Beutetieren. Für den Menschen ungefährlich. Anwenden von Herdenschutzmaßnahmen.
Information von Nutztierhaltern, wie ihre Tiere geschützt werden können.
Wolf tötet immer wieder sachgemäß geschützte Nutztiere. Findet immer wieder einen Weg, den Herdenschutz zu überwinden. Wolf hat wiederholt Erfolg gehabt und gelernt, dass Nutztiere einfache Beute sind. Für den Menschen ungefährlich. Einzelner Wolf verursacht unverhältnismäßig großen finanziellen und emotionalen Schaden. Großer Akzeptanz- schaden. Suche nach effektiver Herdenschutzmethode.

Bei ausbleibendem Erfolg Entnahme des Tieres.

Tab. 2: Einschätzung von verschiedenen Wolfsverhaltensweisen, die in Zusammenhang mit Hunden stehen, bezüglich ihrer Gefährlichkeit für den Menschen und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen.

Verhalten Ursache Einschätzung Handlungsempfehlung
Wolf wird über mehrere Tage unter 30 m entfernt von bewohnten Häusern gesehen. Kann unterschiedliche Ursachen haben, z.B. Wolf sucht Partner oder Wolf sieht in Hund Konkurrent. Verlangt Aufmerksamkeit.
Mögliches Hybridisierungsproblem.
Mögliches Habituierungsproblem.
Verletzungsrisiko für den Hund.
Dokumentation der Situation.
Information der Öffentlichkeit.
Hunde sicher verwahren.
Wolf tötet wiederholt Jagdhund im Jagdeinsatz. Wolf sieht Hund als Konkurrenten an. Für den Menschen ungefährlich.
Großer Schaden für Akzeptanz von Wölfen.
Information der Öffentlichkeit.
Vorsichtsmaßnahmen anwenden.
Bei Nichterfolg Entnahme.
Wolf tötet wiederholt Hund in Hof oder Garten. Kann unterschiedliche Ursachen haben, z.B. Wolf hat gelernt, dass Hunde einfache Beute sind oder sieht in Hunden Konkurrenten. Für den Menschen ungefährlich.
Großer Akzeptanzschaden von Wölfen.
Sicheres Verwahren der Hunde.
Bei Nichterfolg Entnahme.
Wolf nähert sich wiederholt verschiedenen Personen und Ihren Hunden unter 30 m an ohne aggressiv auf Hunde zu reagieren. Kann unterschiedliche Ursachen haben, z.B. sieht in Hund möglichen Sozialpartner. Verlangt Aufmerksamkeit.
Verletzungsrisiko für den Menschen kann aus Interaktion Wolf-Hund entstehen.
Dokumentation der Situation.
Imformation der Öffentlichkeit.
Negative Konditionierung.
Bei Nichterfolg Entnahme.
Wolf nähert sich wiederholt verschiedenen Personen und Ihren Hunden unter 30 m an und reagiert aggressiv auf Hunde. Kann unterschiedliche Ursachen haben, z.B. sieht in Hund Konkurrenten. Kristisch.
Hund kann verletzt oder getötet werden. Verletzungsrisiko für den Menschen kann aus Interaktion Wolf-Hund entstehen.
Entnahme.

Tab. 3: Einschätzung verschiedener Wolfsverhaltensweisen in Bezug auf die Gefährlichkeit für den Menschen und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen.

Verhalten Ursache Einschätzung Handlungsempfehlung
Wolf läuft in der Dunkelheit direkt an Ortschaften entlang oder durch Siedlungen hindurch. Wölfe meiden Menschen, aber nicht menschliche Strukturen. Ungefährlich. Kein Handlungsbedarf.
Wolf läuft im Hellen in Sichtweise von Ortschaften/Einzelgehöften entlang. Wölfe meiden Menschen, aber nicht menschliche Strukturen. Ungefährlich. Kein Handlungsbedarf.
Wolf flüchtet nicht sofort beim Anblick von Menschen und Autos. Bleibt stehen und beobachtet seinerseits. Der Wolf hat keine schlechte Erfahrung gemacht.
Insbesondere Jungwölfe reagieren eher unbedarft und neugierig.
Ungefährlich. Kein Handlungsbedarf.
Wolf wird über über mehrere Tage unter 30 m entfernt von bewohnten Häusern gesehen (mehrere Ereignisse über einen längeren Zeitraum). Wolfsverhalten kann unterschiedliche Ursachen haben, z.B. Futterquelle oder Anziehung zu Hunden (siehe Tabelle Hunde, Kap. 5.4) Verlangt Aufmerksamkeit.

Mögliches Problem mit starker Habituierung / positiver Konditionierung.

Genaue Analyse der Situation. Information der Öffentlichkeit. Suche nach und Entfernen von Anreizen. Eventuell vergrämen.
Wolf nähert sich mehrfach Menschen auf unter 30 m. Wolf interessiert sich anscheinend für Menschen. Wurde durch die Anwesenheit von Menschen „belohnt“; z.B. durch Futter. Verlangt Aufmerksamkeit/kristisch.
Positive Konditionierung in Verbindung mit starker Habituierung kann dazu führen, dass Wölfe immer dreister werden. Verletzungen nicht ausgeschlossen.
Möglichst frühzeitig besendern und vergrämen.
Bei ausbleibendem Erfolg Entnahme.
Wolf reagiert unprovoziert aggressiv auf Menschen. z.B. Tollwut, extreme Habituierung. Gefährlich. Entnahme.

Die Operante Konditionierung

Lernen durch Belohnung und Bestrafung