Die Wolfsjagd – ein Muss?

Die Wolfsjagd – ein Muss?

Die Wolfsjagd - ein Muss?

Natürliche Sättigung, Regulierung oder Bejagung?

Immer wieder wird verschiedentlich diskutiert, ob Wölfe wieder bejagt werden sollen oder nicht. Zum einen gibt es Meinungsvertreter, die die vollständige natürliche Sättigung der Landschaft mit Wölfen in Deutschland anstreben. Das bedeutet, dass es so viele Wölfe geben soll, wie die Wolfspopulation in Deutschland von sich aus produziert – also ohne Limitierung durch den Menschen. Dieses Modell wird derzeit durch internationale und nationale Gesetzgebung untermauert.

Zum anderen gibt es Vertreter der Forderung, dass die klassische Wolfsjagd wieder eingeführt werden soll. Dazu ist derzeit zu sagen, dass die artenschutzrechtliche Gesetzgebung dieses streng verbietet. Voraussetzungen für eine vorzunehmende Gesetzänderung sind, dass es eine entsprechende politische Mehrheit gibt, die den “vernünftigen Grund” für die Bejagung darlegt. Zugangsvoraussetzung dazu ist jedoch wiederum, dass die Wolfspopulation den günstigen Erhaltungszustand erreicht hat und beibehält. Unseres Erachtens nach sollten wir uns in Deutschland auf Bundesebene zeitnah darüber im Klaren werden, wie wir überhaupt gedenken Wölfe zu bejagen, selbst wenn dieses erst in weiter Zukunft wieder gestattet würde und ob das überhaupt Sinn machen würde. Dieses würde durchaus Mäßigung in so manche hochemotionale Diskussion bringen können.

Ein dritter Aspekt ist die Regulierung einer Wolfsmenge vor dem Hintergrund einer wissenschaftlichen Fragestellung. Dieser soll hier ebenfalls dargestellt werden.

Im Rudel leben – nur hochsoziale Tiere können das

Wölfe sind hochsoziale Säugetiere, bei denen sich beide Elternteile an der Aufzucht der Welpen langfristig beteiligen. Selbst die ein Jahr älteren Geschwister der Welpen – die Jährlinge – unterstützen die Eltern bei der Welpenaufzucht. Die beiden Elterntiere leben in der Regel monogam zusammen und besetzen gemeinsam ein Revier, das häufig über 200 Quadratkilometer groß ist. Dieses Revier können Wölfe in einer Nacht vollständig durchstreifen. Das konnte anhand von mit Senderhalsbändern ausgestatteten Wölfen und Satellitentechnik in Deutschland bewiesen werden. In Wolfsrevieren dieser Größe befinden sich rechnerisch 20 Jagdreviere des Menschen zu je durchschnittlich 1.000 Hektar Größe. Tatsächlich sind die Reviere häufig kleiner – also noch mehr Jagdreviere des Menschen im Wolfsrevier. Somit ist es realistisch, dass bei einem Jagdansitz auf Wildschweine tatsächlich alle Jäger ein und dasselbe Wolfsrudel, ein Pärchen oder eben auch das Einzeltier, wenn nur eins vorhanden ist sehen. Beim Anblick z.B. eines einzelnen Wolfes besteht wiederum die Gefahr, dass die Sichtungen aller Jäger aufaddiert werden und über mehrere Wölfe im Gebiet diskutiert wird, obwohl nur dieser eine da ist. Hier stellt sich übrigens schon die nächste Frage: Sollen Elterntiere geschossen werden dürfen, wenn sie doch beide gemeinsam und dauerhaft den Nachwuchs aufziehen? Nein, denn das verbietet die Jagdethik! Während der Aufzuchtphase der Welpen werden diese an ihre eigene Art – also an Wölfe sozialisiert, also gebunden. Der Mensch steht dabei außen vor, was erklärt, dass Wölfe nicht sonderlich an Menschen interessiert sind. Wölfe haben aber auch keine panische Angst vor Menschen. Während der Aufzuchtphase werden die jungen Welpen parallel nebenbei an verschiedenste Umweltreize gewöhnt. Bei den ersten Wanderungen durch das Elternrevier, zu Beginn ihres ersten Winters, setzt sich dieser Prozess fort. Wölfe lernen also ganz nebenbei die verschiedensten natürlichen und unnatürlichen Gegebenheiten kennen. Je nach Lebensraum kann die Habituierung sehr unterschiedlich ablaufen. Wir Menschen zählen übrigens nicht zur Beute der Wölfe, auch wenn äußerst selten Übergriffe von Wölfen auf Menschen festgestellt wurden. Wie schon gesagt sind Wölfe hochsoziale Lebewesen. Deshalb sollte es nicht verwundern, dass es auch bei ihnen unterschiedliche Typen gibt. So gibt es durchaus sehr vorsichtige und neugierigere Individuen. Die intensive Bejagung von Wölfen in Europa dürfte dazu geführt haben, dass nur die sehr vorsichtigen Individuen überlebten. Diese Vorsicht wird von ihren Nachkommen in einer Mischung sowohl vererbt, als auch erlernt worden sein. Hoher Jagddruck kann also selektiv wirken – ähnlich einem Zuchtprozess. Ab dem 1. Mai, wenn der Wolf also etwa ein Jahr alt ist, benennen wir ihn von Welpe auf Jährling um – so ist heute das Wolfsjahr festgelegt. Er ist mittlerweile ein Wolf, der in die Pubertät eingetreten ist und langsam erwachsen wird. Schon längst ist er aber im Hinblick auf Körpergröße und Körperbau nicht mehr von einem erwachsenen Wolf zu unterscheiden. Im Alter von ein bis zwei Jahren wandern Wölfe in der Regel aus dem Elternrevier endgültig ab, mit der Zielsetzung, ein eigenes Jagdrevier und einen Paarungspartner zu finden. Und dennoch muss festgehalten werden: haben wir Jäger eines Tages den Wolf vor uns im Revier, können wir nicht mit Bestimmtheit feststellen, wen wir da genau anzusprechen haben – ist es ein erwachsen aussehender Jährling während der Suche nach einem neuen Revier oder tatsächlich ein erwachsener Wolf? Beim erwachsenen Wolf stellt sich wiederum die Frage, ob er ein Einzeltier ist, oder ob seine Partnerin bzw. ihr Partner mit im Wolfsrevier ist und ob sie Nachwuchs führen. Nur wenn ein ganzes Rudel vollständig zu sehen ist, können Einschätzungen getroffen werden. Eine selektive Jagd ist also nicht möglich, es sei denn Elterntiere wären markiert oder es werden ausschliesslich Welpen bis zu ihrem ersten Herbst bejagt.

Wer kann was? Wer darf was?

Abschuss von Hunden gesetzlich verbieten

Der Wolf als Trophäe?

Jäger wollen Trophäen sammeln. Das ist Bestandteil der Jagd. Beim Wolf, wie auch beim Fuchs, ist diese sein Fell. Hier muss das Aneignungsrecht, dass der Jäger in Bezug auf das erlegte Wildtier hat, allerdings vorerst ausgehebelt werden. Alle erlegten Wölfe müssen an diejenigen Institute abgegeben werden, die aufgrund genetischer Untersuchungen feststellen wie “fit” die Population ist. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sind an den toten Tierkörpern vorzunehmen.

Weitere Überlegungen zur Bejagung von Wölfen

Abschließend sollen hier weitere Überlegungen zur Bejagung von Wölfen dargestellt werden.

Immer wieder ist davon zu hören, dass man Wölfe lediglich auf Truppenübungsplätzen zulassen sollte, und somit außerhalb dieser Plätze bundesweit nicht. Von sogenannten “Wolfsinseln” ist die Rede. Dieser Umstand wird nie Realität werden, aufgrund der Tatsache dass dann die wenigen Wölfe auf solchen Inseln in die Inzuchtdepression hineingeraten. Dieses ist artenschutzrechtlich nicht zu vereinbaren und sollte auch nicht aus der Sicht eines Jägers als “die Lösung” angesehen werden.

Argumentationen, Wölfe zu jagen, um dies als eine Herdenschutzmaßnahme abzubilden laufen ebenso ins Leere. Hier können allenfalls auffällige Wölfe die beispielsweise nur noch Nutztiere reißen, obwohl diese ausreichend geschützt sind, in Betracht kommen. Solche Wölfe sollten jedoch im Rahmen von Managementmaßnahmen aus der freien Wildbahn entnommen werden.

Die Gesellschaft ändert sich. Nie stand das Jagdwesen in Deutschland so sehr im Fokus der Öffentlichkeit und in der Kritik, wie jemals zuvor. Sollten sich die Forderungen erhärten den Wolf ins Jagdrecht zu übernehmen, wird man um die Anführung des sogenannten “vernünftigen Grundes” nicht mehr umhin kommen.

Argumente, dass Wölfe doch in der Wildnis auch gejagt werden, dürfen natürlich geäußert werden, um über die Bejagung von Wölfen in Deutschland zu diskutieren. Gleichwohl sollten wir uns vor Augen führen, dass in Wildnisgebieten allzu oft diejenigen Wölfe erlegt werden, die sich gerade zeigen. Dieses geschieht nicht aus reiner Willkür, sondern weil es oft die einzige Chance ist, überhaupt einen Wolf zu erlegen. Die Wildnisgebiete Europas sind nicht mit der Kulturlandschaft Europas zu verwechseln. Gerade in der deutschen Kulturlandschaft sind es wie bereits oben beschrieben eine Vielzahl von Jägern, die sich mit ihrem Revier das große Revier des Wolfes teilen. In den Wildnisgebieten sind es oft nur wenige Jäger die dort die Jagd ausüben, und somit diejenigen Chancen nutzen die sich bieten, unabhängig von der Frage der Altersstruktur des Wolfs des Wolfes oder seine Rolle im Rudel.

Sollte der Wolf eines Tages in Deutschland gejagt werden, muss es unabdingbar sein das im Vorfeld im europäischen Umfeld analysiert wird welche Fehler dort bereits gemacht wurden. Hierdurch können wir vermeiden eben solche Fehler auch in Deutschland zu wiederholen.