Im Laufe der Evolution besiedelte der Wolf (Canis lupus) die gesamte nördliche Hemisphäre und war auch in Deutschland flächendeckend vertreten (siehe hierzu auch "Wölfe weltweit"). Von dieser ehemals beständigen Gegenwart des Wolfes zeugen auch heute noch viele Ortsnamen, wie z.B. Wolfsbruch, Wolfsdorf, der Landkreis Wolfenbüttel oder gar das Stadtwappen von Wolfsburg, das einen goldenen Wolf trägt, der auf den Zinnen der Burg steht.
Seit der Zeit von Karl dem Großen, also seit ca. 1200 Jahren, wurde der Wolf in Deutschland bejagt, und schließlich begann Mitte des 17. Jahrhunderts ein regelrechter Feldzug gegen den Wolf, der zur nahezu kompletten Ausrottung des Wolfes in Deutschland führte1. So wurden beispielsweise in Brandenburg große Treibjagden organisiert, zu denen der Adel die einfache Bevölkerung rekrutierte. Bauern und der kleine Bürger wurden unter Androhung von Strafe dazu verpflichtet, an den Wolfsjagden teilzunehmen. "Die Jagdbeamten setzen die exakte Durchführung der Wolfsjagden mit aller Härte und strengen Befehlen durch."2 Die schwere Belastung, die der einfachen Bevölkerung durch die Wolfsjagden entstand, wird auch in folgendem Textabschnitt aus dem Beitrag "Der letzte Wolf" des Kreishistorikers Rudolf Schmidt deutlich: "Sobald der Schnee frisch gefallen war, begannen die großen Wolfsjagden, zu denen die notwendigen Mannschaften aus den Städten und Dörfern zusammenbefohlen wurden. Die Leute für dieses Wolfsjagdlaufen mussten sich auf mind. drei Tage mit Mundvorrat versehen und häufig mit dem elendsten Nachtquartier vorlieb nehmen. Es wird berichtet, dass vielfach Menschen bei diesem Jagdlaufen erfroren sind."3
Die Wanderung einzelner Tiere führte sie zwar auch in den vergangenen 100 Jahren immer wieder nach Deutschland, doch seit dem 1904 in Sachsen der letzte Wolf Deutschlands geschossen wurde, gab es keine frei lebende Wolfspopulation mehr in Deutschland. Vielerorts gibt es Gedenksteine, die an den Abschuss des jeweils letzten Wolfs der betreffenden Region bzw. des Bundeslandes erinnern
http://www.lausitz-wolf.de/index.php?id=19).

So steht beispielsweise zweieinhalb Kilometer vom Bahnhof Eilte ein Gedenkstein, der anlässlich des Endes vom sagenumwobenen "Würger vom Lichtenmoor" vom niedersächsischen Landesjagdverband aufgestellt wurde. Der sogenannte "Würger vom Lichtenmoor" wurde am 27. August 1948 getötet. Woher der Wolf kam, bleibt unbekannt. Vermutlich war er aus Polen eingewandert. Der Jäger Herrmann Gaatz erschoss den Wolf nachdem bereits zuvor am 13. Juni 1948 die größte Treibjagd der Geschichte Niedersachsens ohne Erfolg durchgeführt worden war.
In der Landbevölkerung herrschte große Angst nachdem im Winter viele Wildverluste registriert wurden und im Frühjahr Nutztiere, wie Schafe und Rinder, auf der Weide verendeten. Da viele "Opfer" des Wolfes ungewöhnlich glatte Wunden hatten, bleibt bis heute der Verdacht, dass viele "Risse" des Wolfes auf illegale Fleischbeschaffung zurückgingen.
In den Hungerjahren nach dem Krieg war Fleisch ein lukratives Schwarzmarktprodukt. Die Geschichte des "Würgers vom Lichtenmoor" wurde auch in einem Artikel der Zeit aufgearbeitet, den Sie hier (Externer Link
http://www.zeit.de/2008/01/A-Wuerger) lesen können.
Neben dem "Würger" wurden in den Jahren von 1948 bis 1991 vierundzwanzig weitere Wölfe in Brandenburg und Niedersachsen geschossen, 13 davon in der ehemaligen DDR4. Dies waren wahrscheinlich Individuen, die auf ihrer Wanderung aus dem Osten Europas nach Deutschland kamen. Dabei fällt auf, dass in den Jahren, in denen die innerdeutsche Grenze bestand und stark bewacht wurde, weniger Tiere in der Bundesrepublik geschossen wurden, als nach der Grenzöffnung. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass das natürliche Wanderverhalten der Wölfe durch die Grenze stark eingeschränkt bzw. verhindert wurde. Erst nach der Wiedervereinigung gelang es dem Wolf, sich nach über 100 Jahren wieder in seinem angestammten Gebiet anzusiedeln.
2007 wurde auch in Niedersachsen das Vorhandensein eines freilebenden Wolfes nachgewiesen. Im Landkreis Uelzen wurden bereits 2006 erste Hinweise seiner Anwesenheit gemeldet, die dann schließlich anhand von Fotobeweisen bestätigt wurde. Damit ist er nach der Gehgewölfin "Bärbel" der erste Wolf, der sich nach dem "Würger vom Lichtenmoor" in Niedersachsen angesiedelt hat. "Bärbel" war im Sommer 2002 aus einem Wildpark in Bayern entwischt und ist von Bayern bis nach Niedersachsen gewandert. Während ihrer Wanderschaft hat sie sich die Gehege-Wölfin bis Januar 2003, offensichtlich erfolgreich jagend, in freier Wildbahn durchgeschlagen. Im Januar 2003 wurde sie dann versehentlich an einem von ihr erbeuteten Reh erschossen.
Die zum Teil jahrhundertelange Wolfslosigkeit in Deutschland hat dazu geführt, dass der Mensch verlernt hat, diese ursprünglich einheimischen Tiere als Teil des normalen Alltags zu erleben. Vorurteile und alte Ängste stehen einem objektiven Blick auf den Wolf und somit einem vernünftigen Umgang mit diesem entgegen.
Verschiedene Organisationen, wie z.B. die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe (GzSdW), der Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. oder das Wildbiologische Büro LUPUS, betreiben intensive Aufklärungsarbeit. Auch wurden Wolfsmanagementpläne im Auftrag einiger Landesregierungen erarbeitet, die bereits präventiv dazu dienen sollen, eine möglichst konfliktfreie Koexistenz von Mensch und Wolf zu ermöglichen.
Derartige Maßnahmen waren Konsequenz der natürlichen Wiederansiedlung des Wolfes (Canis lupus) in Deutschland, die vor etwa 10 Jahren begann. Diese Wiederansiedlung erfolgte ausgerechnet in dem Land, in dem der letzte Wolf Deutschlands erschossen wurde, nämlich in Sachsen. Die Geschichte der Rückkehr von Canis lupus beginnt 1995 mit den ersten Hinweisen auf die Anwesenheit eines Wolfes in der Muskauer Heide (nordöstliches Sachsen), genauer gesagt auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz5. Im Jahr 2000 kamen dort schließlich die ersten frei lebenden Wölfe in Deutschland seit über 100 Jahren zur Welt. Innerhalb der letzten 10 Jahre blieb es nicht bei dem einen Rudel aus der Muskauer Heide. Aktuell wurden in Sachsen 5 Rudel und in Sachsen-Anhalt und in Brandenburg je 1 Rudel, sowie ein welpenloses Wolfspaar nachgewiesen. Auch die Existenz von Einzeltieren in Brandenburg (6 Wölfe), Mecklenburg-Vorpommern (2 Wölfe), in Hessen/Niedersachsen (1 Wolf) und in Bayern (1 Wolf) konnte belegt werden.6 Der derzeitige Bestand in Deutschland, sowie die geschätzte territoriale Verteilung der Reviere in der Lausitz werden in folgenden Karten ersichtlich:
Externer Link
http://www.wolfsregion-lausitz.de/verbreitung/verbreitung-in-deutschland
Externer Link
http://www.wolfsregion-lausitz.de/verbreitung/verbreitung-in-deutschland/18-artrudelterritorien
Dem Wolf ist es nach langer Zeit gelungen, wieder in einen Teilbereich seines ursprünglichen Lebensraums zurückzukehren. Einen Lebensraum, aus dem er zuvor durch den Menschen vertrieben wurde. Die bisherigen Belege sprechen für eine Wiederbesiedlung weiterer Gebiete in Deutschland durch den Wolf. Ökologisch gesprochen zeichnet sich also eine Vergrößerung der Artenvielfalt ab. Eine Vergrößerung dieser Artenvielfalt kann jedoch nur dann erfolgen und - langfristig gesehen - erhalten werden, wenn es gelingt, den Wolf, sowie sein Verhalten und seine Bedürfnisse realistisch und vorurteilsfrei zu beurteilen und mit entsprechendem Management möglichen Konflikten entgegenzutreten.
http://www.lausitz-wolf.de/index.php?id=147
http://www.wolfsregion-lausitz.de/verbreitung/verbreitung-in-deutschland
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